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Eine Nacht bei Nomaden in Kirgistan – eine Hotelbewertung

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Kirgistan

“Lieber Reiseveranstalter,

ich möchte mich direkt an Sie wenden bezüglich unserer Buchung bei Ihnen letzte Woche für das Camping in Kirgistan bei den Einheimischen. Ich denke, dass mein Feedback Ihnen sehr viel weiterhelfen kann, bin ich doch auf einige Dinge gestoßen, die leider dem westlichen Standards nicht entsprechen.

1. ANFAHRT:

Die Fahrt war eine Zumutung! Sie können sich nicht vorstellen, wie schlecht die Straßen in Kirgistan sein können. Wir haben insgesamt 6 Stunden mit einem alten Geländewagen gebraucht. Puh, war ich froh, dass ich die Fahrt überlebt habe. Wieso konnte der Fahrer keine andere Route auswählen? Er hätte ja zum Beispiel eine Bundesstraße aussuchen können – die sind mehrspurig und asphaltiert. Aber nein, stattdessen sind wir über Felder, Bäche, alte Holzbrücken und Schotterpisten gefahren. Auch sind regelmäßig Pferde, Schaafe und Kühe über die Straße gelaufen – da hätte ja sonst noch was passieren können!

2. LAGE:

Nun ja, was soll ich sagen. Neben den Hotelbesitzern gab es im Umkreis nichts Anderes als unser Zelt (die Hotelbesitzer haben es Jurte genannt – seit wann gibt man einem Zelt eigentlich einen Namen??). Die Nachbarn waren sehr weit entfernt, sodass wir sehr alleine waren. Ein Zelt und rundherum nur Berge, Täler und Pferde. Das Nachtleben war dementsprechend auch mau. Keine Diskothek, kein Restaurant, nicht mal eine Kneipe in der Gegend! Übrigens, wieso haben diese Pferde eigentlich keinen Stall? Und wer füttert diese? (ich habe nirgends Karotten oder Äpfel gesehen!)

3. UNTERKUNFT:

Ich wusste ja, dass wir zelten gehen. Sie haben mir aber nicht gesagt, dass es dort keine Betten gibt. Stattdessen mussten wir auf dem Boden – ach was – auf dem Gras schlafen! Dabei gibt es doch bei IKEA schon für wenige Mark ein Bett mit Matratze. Die Hotelbesitzer haben uns zumindest einige Decken untergelegt. Leider muss ich sagen, dass das Zelt generell schlecht isoliert war. Eine Heizung gab es auch nicht – dabei hatten wir in der Nacht nur 3°C – immerhin waren wir auf fast 3200m! Wir hatten glücklicherweise einen alten Ofen im Zelt. Aber jetzt kommt der Hammer: die Servicekräfte haben den Ofen nicht mit Holz geheizt, sondern mit getrocknetem Pferdekot! Können Sie sich das vorstellen?
Von früheren Campingausflügen in Frankreich kenne ich die Sanitäranlagen noch gut und habe daher keine großen Erwartungen gehabt. Was wir jedoch zu sehen bekommen haben, war nicht zumutbar. Das Klo war ein großes Loch in der Erde – drüber ein paar Bretter gelegt – fertig. Keine Spülung, keine Toilette zum Sitzen! Und eine Dusche? Fehlanzeige! Wir haben einen Eimer Wasser bekommen. Und selbst dieses Wasser kam nicht aus dem Hahn, sondern aus dem Fluss von nebenan!
Der WLAN Empfang war auch sehr schlecht. Wir haben zumindest kein Signal empfangen können. Das ist leider alles nicht mehr standesgemäß.

4. RAHMENROGRAMM:

Ein Animateur war leider nicht vor Ort. Interessant, wurde es jedoch als der Sohn der Hotelbesitzer seine Freunde zusammentrommelte und alle mit ihren Pferden (wieso haben die keine Autos??) angeritten kamen. Was dann aber passierte, war grausam. Vor unseren Augen wurde ein Schaaf geköpft und die Füße abgetrennt. Den toten Körper haben die Jungs dann als Ball benutzt!”
—–
So könnte vielleicht eine Hotelbewertung eines verwöhnten Pauschalreisenden aussehen. Doch für mich war das eines der Highlights meines Lebens! Ein Throwback in ein Zeitalter ohne Strom, fließend Wasser oder Internet.
Fernab der Zivilisation die sensationelle Landschaft genießen, die Gastfreundschaft der kirgischen Nomadenfamilie, zu realisieren, dass es nicht viel zum Glücklichsein braucht, als einen heißen Tee und selbstgebackenes Brot nach einer 4 stündigen Wanderung bei Regen. Danke, für die sehr einprägsame Erfahrung. Danke, für die Gastfreundschaft. Danke für die netten Gespräche, die trotz Sprachbarrieren auch mit Hand, Fuß und Taschenrechner machbar waren. Danke Kirgistan!

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